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Außenhandelstheorie: So funktioniert der internationale Handel

©J-Mel
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Theorie und Praxis – diese beiden Dinge unterscheiden sich teils stark voneinander. Und auch bei der Außenhandelstheorie liegen wissenschaftliche Annahmen in manchen Fällen entfernt von den realen Bedingungen und Umständen.

Bei einem Austausch von Waren und Gütern über staatliche Ländergrenzen hinweg spricht man von Außenhandel. Dieser Handel ist streng geregelt und unterliegt wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Unter der Außenhandelstheorie versteht man eine wirtschaftswissenschaftliche Theorie, die sich sowohl mit dem internationalen Handel zwischen den Ländern als auch mit den Auswirkungen auf die Beteiligten beschäftigt, und die die Vorgänge und Sachverhalte erklärt. Dabei gibt es Unterschiede zwischen der klassischen und der neueren Außenhandelstheorie, die wir Ihnen im folgenden Abschnitt aufzeigen.

Außenhandelstheorien im Vergleich

Entscheidungen in Wirtschaft und Politik werden oft aufgrund von Theorien und Grundlagen getroffen. Die klassische Außenhandelstheorie reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück und somit auf den Beginn der Nationalökonomie. Seitdem wird über Ursachen und Gründe internationaler Arbeitsteilung geforscht. Auf diesen theoretischen Erkenntnissen fußen schlussendlich viele Entscheidungen in Politik und Wirtschaft.

Klassische Außenhandelstheorie

Adam Smith, ein schottischer Philosoph, veröffentliche im Jahre 1776 in seinem Buch „An Inquiry into the Nature And Cause of the Wealth of Nations“ (deutscher Titel: Wohlstand der Nationen) die Theorie der Kostenvorteile. Diese besagt, dass ein Staat sich auf die Produktionen von denjenigen Sachen fokussieren soll, die er kostengünstiger als andere Staaten herstellen kann.

Um die Außenhandelstheorie zu beschreiben, wird gerne folgender Auszug aus dem Buch verwendet: „Alle finden, dass es im eigenen Interesse liegt, ihren Erwerb uneingeschränkt auf das Gebiet zu verlegen, auf dem sie ihren Nachbarn überlegen sind und den übrigen Bedarf mit einem Teil ihres Erzeugnisses oder, was dasselbe ist, mit dem Erlös daraus, zu kaufen. Was aber vernünftig im Verhalten einer einzelnen Familie ist, kann für ein mächtiges Königreich kaum töricht sein. Kann uns also ein anderes Land eine Ware liefern, die wir selbst nicht billiger herzustellen imstande sind, dann ist es für uns einfach vorteilhafter, sie mit einem Teil unserer Erzeugnisse zu kaufen, die wir wiederum günstiger als das Ausland herstellen können.“ (Der Wohlstand der Nationen, zit. nach der von H.C. Recktenwald herausgegebenen Ausgabe, 6. Aufl. München 1993)

Im- und Export steigert Gesamtproduktion

Natürlich werden zum Beispiel Güter wie Getreide und Co. in vielen Ländern angebaut und hergestellt – jedoch, abhängig von vielen äußeren Faktoren, nicht zu einem identischen Preis. Ein absoluter Kostenvorteil entsteht dann, wenn sich ein Land auf den Handel des jeweils kostengünstigsten Guts konzentriert und in anderen Bereichen durchaus den Export in Erwägung zieht – und durch den Import die Dinge bezieht, die selbst herzustellen zu teuer oder aufwendig wären. Zusammen mit anderen Ländern entsteht so der Im- und Export von Waren, die die Gesamtproduktion im Einzelnen ankurbelt und steigert.

Von Freihandel spricht man bei der klassischen Außenhandelstheorie dann, wenn zwischen verschiedenen Ländern Waren, Güter und Dienstleistungen ausgetauscht werden, die keinen Zollbestimmungen oder anderen Handelsbeschränkungen unterliegen.

Was aber, wenn in dem Beispiel beide Länder keinen klaren Kostenvorteil haben? In der Theorie würde das entsprechende Gut dann keine Rolle spielen, in der Praxis sieht es jedoch anders aus. Hier kommt dann der komparative Kostenvorteil von David Ricardo ins Spiel, einem britischen Ökonom, der seine Theorie um 1820 aufgestellt hat und das bisherige Beispiel von Smith erweitert. Es wird nicht mehr nur alleine auf den absoluten Kostenvorteil geschaut, sondern auch darauf, welche Herstellung des Produkts den größten Vorteil birgt.

Beispiel: Land A braucht für die Herstellung von Produkt X 90 Arbeitsstunden, Land B benötigt hierfür 100 Stunden. Bei Produkt Y benötigt Land A 80 Stunden und Land B 120 Stunden. Vergleicht man die aufgewendete Zeit für die Herstellung, sollte Land B sich auf Produkt X fokussieren und Land A sich auf Produkt Y. Durch die Arbeitsteilung können somit erhebliche Kosteneinsparungen vorgenommen werden.

  Produkt X Produkt Y
Land A 90 Stunden
(90/80=1,13)
80 Stunden
(80/90=0,88)
Land B 100 Stunden
(100/120=0,83)
120 Stunden
(120/100=1,2)

 

Neuere Außenhandelstheorie

Im obigen und sehr vereinfacht dargestelltem Beispiel der klassischen Außenhandelstheorie wird der Austausch zwischen zwei Ländern theorisiert. Da es in der Praxis aber weitaus komplexer zugeht, erweitert die neuere Außenhandelstheorie das Konstrukt so, dass mehrere Akteure mitwirken – wie es eben in der Praxis und der realen Welt gegeben ist.

Der Kostenvorteil für ein Land wurde bis in die 1970er Jahre hinein als prägend für die Außenhandelstheorie dargestellt. Da jedoch unterschiedliche Faktoren (Arbeitsbedingungen, Erfahrungen und Know how, technische Ausstattung, Kapital, Bodenbedingungen etc.) dazu beitragen, dass ein Land erfolgreich und kostengünstig Waren und Güter herstellen kann, wird dies bei der neueren Außenhandelstheorie aufgegriffen.

Die beiden Schweden Eli Heckscher (1879-1952) und Bertil Ohlin (1899-1979) betrachteten den internationalen Handel hinsichtlich unterschiedlicher Faktorpreisrelationen und nicht ausschließlich anhand ihrer Produktivitätsunterschiede. In ihrer Erweiterung des Ricardo-Modells besagen sie, dass der internationale Handel durch die Preise bestimmt wird, die die Summe aus den Faktoren Arbeit, Boden und Kapital ergeben. Diese Preisrelationen schwanken in den Ländern natürlich, da in jedem Land andere Bedingungen herrschen.

Ist zum Beispiel in Land A der Faktor Arbeit im Verhältnis zum Kapital zur genüge vorhanden, ist anzunehmen, dass die Zinsen (Kapitalkosten) im Vergleich zu den Löhnen entsprechend hoch ausfallen. Fällt in Land B die Arbeit im Verhältnis zum Kapitalbestand eher knapp aus, fallen die Löhne in Relation zu den Zinsen beachtlich aus. Folglich kann Land A arbeitsintensivere Waren anhand des komparativen Kostenvorteils günstiger herstellen als Land B, Land B wiederum hat den Vorteil bei kapitalintensiven Waren und Gütern.

Außenhandel nach Raymond Vernon

Eine weitere Betrachtungsweise bei der neueren Außenhandelstheorie hat der Amerikaner Raymond Vernon (1933-1999) ins Spiel gebracht, die das Produktlebenszykluskonzept betrachtet. Sein Modell besagt, dass jedes Produkt eine begrenzte Lebensdauer hat – beginnend bei der Markteinführung und aufhörend beim Marktausscheiden. Währenddessen unterliegen Faktoren wie Produktionsfunktion, Standort und auch der Absatzmarkt Schwankungen und können sich stetig ändern, was direkte Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn hat.

In der Theorie können dadurch die Länder zu unterschiedlichen Zeiten Kostenvorteile für sich verzeichnen. Ist in der Anfangsphase ein Innovationsprodukt meist nur im Inland zugänglich und erhältlich, erschließt sich der internationale Markt erst später. Während in der Ausreifungsphase die Produktions- und Absatzzahlen steigen, sollte auch hier bereits zeitnah überlegt werden, einen Teil der Produktion ins Ausland zu verlagern, um kostengünstiger zu produzieren, wenn die Ware später für den Massenmarkt zugänglich gemacht werden soll. Der Kostenvorteil liegt dann nicht selten für Entwicklungsländer auf der Hand, da die Arbeitsschritte festgelegt sind und nur noch der Umsetzung bedürfen.

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