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Diese 9 Fehler bei der Zollanmeldung müssen Sie unbedingt vermeiden

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Fehler Zollanmeldung

Die Abgabe von Zollanmeldungen ist eine der verantwortungsvollsten Aufgaben im Außenhandel. Da es sich hierbei um Steuererklärungen nach der Abgabenordnung handelt, sollten Sie höchste Ansprüche an die Richtigkeit der gemachten Angaben stellen. Um Ihnen den Arbeitsalltag etwas zu erleichtern, verraten wir Ihnen im Folgenden, wo die meisten Fehler passieren und wie Sie sich vor der Abgabe der Anmeldung optimal vorbereiten.

Fehlerquellen gibt es viele. In unserem Berateralltag stellen wir immer wieder fest, dass sowohl viele Unternehmen als auch die einzelnen Angestellten den Zollanmeldungen beim Import nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken. Mit oftmals katastrophalen und kaum abschätzbaren Folgen.

Neben dem fiskalischen Aspekt, dass ggf. zu wenig Einfuhrabgaben entrichtet werden und dies unter Umständen sogar als Steuerhinterziehung gewertet werden kann, ist eine Zollanmeldung immer auch das Spiegelbild Ihres Unternehmens gegenüber den Zollbehörden.

Unsere Empfehlung: Leisten Sie sich beim Thema Zollanmeldungen keine Schwachstellen. Bereits kleine Fehler erwecken die Aufmerksamkeit der Zollbehörden, wenn sie gehäuft auftreten. Hier steht schnell der Vorwurf von organisatorischen Defiziten im Raum.

Ein besonderes Augenmerk sollten Sie in jedem Fall auf die direkt abgaben-relevanten Themen „Tarifierung“ und „Zollwert“ legen. Hier droht nämlich ein großes Risiko.

Checkliste: 9 typische Fehler, die Sie bei der Abgabe von Zollanmeldungen unbedingt vermeiden sollten

Fehler / Beschreibung

 Ja

Nein

1. Ist die EORI-Nummer bekannt?

Liegt Ihnen die korrekte EORI-Nummer vor? Dies ist Ihre persönliche Identifikationsnummer gegenüber dem Zoll.

Beachten Sie: Verfügt ein Unternehmen über mehrere Standorte, sind ihm in der Regel nur eine EORI-Nummer, ggf. aber mehrere Niederlassungsnummern zugeteilt. Stellen Sie sicher, dass für die Zollanmeldung unbedingt auch die korrekte Niederlassungsnummer verwendet wird.

2. Sind erforderliche Bewilligungen für die Zollanmeldung vorhanden?

Prüfen Sie, ob für das Zollverfahren, in welches die Einfuhrwaren überführt werden sollen, alle erforderlichen Bewilligungen erteilt wurden. Für diese Zollverfahren ist eine Bewilligung erforderlich:

• vereinfachtes Anmeldeverfahren

• Zolllager

• aktive und passive Veredelung

• Umwandlungsverfahren

• vorübergehende Verwendung

Nur wenn die erforderlichen Bewilligungen vor Abgabe der Zollanmeldung (in der Regel schriftlich) vorliegen, können die Waren in das entsprechende Zollverfahren überführt werden. Prüfen Sie zudem, ob alle vom Zoll gemachten Bewilligungsauflagen eingehalten werden.

3. Sind erforderliche Informationen vorhanden?

Prüfen Sie, ob alle im Rahmen der Zollanmeldung erforderlichen Daten vorhanden sind. Bei diesen Standardinformation sollten Sie sich im Rahmen der Zollanmeldung keine Fehler erlauben:

• (Zoll-)Anmelder und ggf. Vertreter

• Empfänger

• Einführer

• Bestimmungsland

Ursprungsland

• Warennummer (Zolltarifnummer)

• Warenbezeichnung

• Anzahl der Positionen Lieferbedingung und Verkehrszweig

Unsere Empfehlung: Im „Merkblatt zu Zollanmeldungen, summarischen Anmeldungen und Wiederausfuhranmeldungen“ der deutschen Zollverwaltung finden Sie eine vollzählige Auflistung aller für die Zollanmeldung erforderlichen Angaben und detaillierte Beschreibungen zu einzelnen Teilbereichen, die wir hier nicht alle aufführen können. Dieses finden Sie unter www.zoll.de.

4. Sind erforderliche Dokumente vorhanden?

Prüfen Sie, ob alle zur Abgabe der Zollanmeldung erforderlichen Dokumente vorhanden sind. Hierzu zählen z. B.:

• Handelsrechnung, Pro-forma-Rechnung

• Bewilligungen (z. B. Zollverfahren)

• Einfuhrgenehmigungen

• Originale der Präferenzdokumente

• VuB-Unterlagen (EUR.1, EUR.2, ATR)

• Frachtbriefe und Beförderungsunterlagen

Achtung: Dass Sie diese Dokumente bei der Abgabe von elektronischen Zollanmeldung in der Regel nicht vorlegen müssen, bedeutet nicht, dass Ihnen diese Dokumente zum Zeitpunkt der Einfuhr nicht vorliegen müssen. Sie sind zwar von der Vorlage dieser Dokumente befreit, auf Nachfrage der Zollbehörden bzw. für spätere Betriebsprüfungen müssen diese aber vorgelegt werden können.

5. Ist die Zolltarifnummer bekannt und korrekt?

Fragen Sie sich: Ist eine Zolltarifnummer für die anzumeldenden Waren vorhanden und zutreffend? Die zutreffende Zolltarifnummer der Einfuhrware ist einer der wichtigsten Punkte Ihrer Einfuhrzollanmeldung! Hiervon hängen die Maßnahmen der Zollverwaltung und die Höhe der zu entrichtenden Einfuhrabgaben ab.

Unsere Empfehlung: Übernehmen Sie keinesfalls ungeprüft die Tarifierungsinformationen, die Ihnen vielleicht von Ihrem Lieferanten bereits auf den Rechnungsdokumenten vorgegeben werden. Verifizieren Sie diese Angaben in jedem Fall noch einmal durch eine selbstständige Einreihung der entsprechenden Waren in den Zolltarif.

6. Ist der Zollwert bekannt?

Die Ermittlung des richtigen Zollwerts führt in der Praxis vielfach zu Problemen und ist eine der häufigsten Ursachen für fehlerhafte Zollanmeldungen.

Da die Importe in den meisten Fällen auf ein Kaufgeschäft zurückzuführen sind, ist die Transaktionswertmethode die in der Praxis wichtigste Zollwertermittlungsmethode. Hierbei bildet der (vollständig) gezahlte oder zu zahlende Preis die Grundlage. Aber Achtung: Der Rechnungspreis ist hierbei nicht automatisch der „richtige Zollwert“. Fragen Sie sich: Kenne ich alle Bestandteile des maßgeblichen Kaufgeschäftes?

Ein Risiko sind hier solche Zahlungen und Preisbestandteile, die neben dem Kaufpreis geleistet werden, sich aber auf die Ware und das zu bewertende Kaufgeschäft beziehen (sogenannte aufgespaltene Kaufpreisbestandteile). Hier die in der Praxis häufigsten Beispiele:

• Anlaufkosten

• Analyse-, Qualitätssicherungskosten

• Zertifizierungskosten

• Werbekosten

• Garantiekosten

Sind Kosten für derartige Tätigkeiten im Rahmen des Kaufgeschäftes entstanden, müssen sie dem Zollwert unter Umständen hinzugerechnet werden.

7. Sind zollwertrechtliche Hinzurechnungen bekannt?

Neben den aufgespaltenen Kaufpreisbestandteilen gibt es noch zahlreiche andere Kostenbestandteile, die Sie bei der Berechnung des Zollwertes hinzurechnen müssen, wenn sie von Ihrem Unternehmen beim Erwerb der Ware getragen werden und nicht bereits im Preis für die Ware enthalten sind. Diese sind:

• Provisionen und Maklerlöhne

• Umschließungs- und Verpackungskosten

• Beistellungen (z. B. Material, Werkzeug, Entwicklung, Produktionsmittel etc.)

• Lizenzgebühren

• Erlöse aus späteren Weiterverkäufen

• Beförderungs-, Versicherungs- und Ladekosten

Unsere Empfehlung: Setzen Sie sich intensiv mit dem Thema aufgespaltene Kaufpreisbestandteile und Hinzurechnungen (z. B. Materialbeistellungen) zum Zollwert auseinander. Passieren hier Fehler, wird es im Nachhinein (z. B. bei Zollprüfungen) meist sehr teuer. Straf- und bußgeldrechtliche Konsequenzen kommen erschwerend hinzu.

 

8. Wurden korrekte Codierungen verwendet?

Viele Angaben einer (elektronischen) Zollanmeldung müssen in Form von offiziellen Codierungen gemacht werden.

Denken Sie hier immer daran: Die Zollanmeldung ist das Spiegelbild Ihres Unternehmens beim Zoll. Dauerhaft falsch angewendete Codierungen erwecken bei den Beamten schnell den Eindruck von Unzuverlässigkeit.

Die offiziell zu verwendenden Codierungen finden Sie auf der Internetseite der deutschen Zollverwaltung unter www.zoll.de.

9. Sind Zolldienstleister ausreichend instruiert?

Ein Zolldienstleister vertritt Sie (meist: direkte Vertretung) bei der Ausführung der operativen Tätigkeiten gegenüber der Zollverwaltung. Dem Zolldienstleister müssen also unbedingt alle Informationen vorliegen, die zur Abgabe der Zollanmeldung erforderlich sind (siehe Punkte 1 bis 7).

Unsere Empfehlung: Verfassen Sie unbedingt schriftliche Arbeits- und Verfahrensanwei-sungen und geben Sie dem Zolldienstleister somit genaue Instruktionen.