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Achtung: Der Prüfungsdruck der Behörden steigt

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Prüfungsanordnung

Eine Prüfungsanordnung löst nur selten Freudensprünge aus. Meist überwiegt ein Gefühl des Unwohlseins. Und das nicht unbedingt, weil bereits Schwachstellen oder Fehler bekannt sind. Vielmehr stellt eine Betriebsprüfung für viele Unternehmen eine „Black Box“ dar. Sie sollten daher versuchen, Ihre persönliche Prüfungswahrscheinlichkeit zu bestimmen.

Nur so können Sie ernsthaft planen. Und nur so können Sie das scheinbar unkontrollierbare Risiko „Prüfung“ einigermaßen beherrschbar machen.

Denn so viel steht fest: Die Zollverwaltung passt sich den geänderten politischen Gegebenheiten an. Die Prüfungsdienste werden aktuell massiv verstärkt. Der Prüfungsdruck wächst. Die Zollverwaltung agiert dazu so „aggressiv“ wie nie zuvor. Straf- und Bußgeldverfahren werden schneller gegen handelnde Mitarbeiter und Unternehmensverantwortliche eingeleitet.

Indem Sie Ihre individuelle Prüfungswahrscheinlichkeit kennen, können Sie

  • zielgerichtet Ihre Hausaufgaben machen. Dazu gehört z. B., die kanalisierte Auskunftserteilung im Prüfungsfall vorzubereiten oder den erforderlichen Datenzugriff bzw. etwaige Dokumentenbereitstellung zu ermöglichen;
  • effizient zollstrategisch handeln. Dazu gehört z. B., Anträge auf Vereinfachungen oder Zertifizierungen zeitlich geschickt zu stellen, um die entsprechenden Voraussetzungen gleich mitprüfen zu lassen – und so doppelten Prüfungsstress zu vermeiden;
  • Ihre Reaktionszeit einschätzen. Dies ist z. B. erforderlich, wenn Sie im Rahmen der Eigenkontrolle Fehler aufgedeckt haben und zum „letzten Mittel“ greifen müssen – der steuerlichen Selbstanzeige.

UZK: Wie Sie sich jetzt schnell und einfach auf die neuen Bedingungen einstellen können

Die Erfahrung aus unserer Beratungspraxis zeigt: Die meisten Unternehmen betrachten ihre Zollabwicklung rein national. Das ist bereits heute sehr gefährlich. Seit Anwendung des Unionszollkodex (UZK) seit dem 1.5.2016 wird dies aber zum sicheren Eigentor.

Die Zollverwaltungen der einzelnen Mitgliedstaaten wachsen dann nämlich noch enger zusammen.

Meine Empfehlung: Nutzen Sie Ihren Vorteil und ermitteln Sie anhand dieser Einflussfaktoren Ihre Prüfungswahrscheinlichkeit.

In der Risikoanalyse des Zolls werden die über Wirtschaftsbeteiligte bekannten Merkmale zusammengeführt (z. B. die kompletten Daten über Ihre bisherigen Zollabfertigungen, vergangene Prüfungsfeststellungen usw.). Folgende Einflussfaktoren haben besonders hohes Gewicht, wenn es um die Festlegung Ihres Prüfungsrhythmus geht. Sie sollten sie daher kennen, denn nur so können Sie Ihr individuelles Prüfungsrisiko einschätzen.

Einflussfaktoren

Beschreibung

Art der Waren

Von großer Bedeutung ist zweifelsohne die Art der Waren, die Sie grenzüberschreitend bewegen. Bedeutendster Einflussfaktor ist dabei natürlich der jeweilige Abgabensatz. Er hat eine direkte monetäre Wirkung. Fehler Ihrerseits wirken unmittelbar auf das Abgabenaufkommen. Haben Sie Waren mit hohen Abgabensätzen im Portfolio, wirkt sich das natürlich auf Ihre Risikoeinstufung aus.

Unabhängig davon setzt der Zoll aber auch auf Erkenntnisse aus der Vergangenheit. Entscheidend ist hierbei der allgemeine Missbrauchsfaktor. Wurden hinsichtlich bestimmter Warengruppen in der Vergangenheit vermehrt Zuwiderhandlungen festgestellt, fokussiert sich die Risikoanalyse exakt auf diesen Bereich. Auch Sie werden dadurch für die Zollprüfung interessanter.

Geschäftstätigkeit

Verändert sich Ihre Geschäftstätigkeit, registriert das auch die Zollverwaltung. Sie hat dazu gerade eine moderne und leistungsfähige Risikoanalyse in Betrieb genommen. Signifikante Steigerungen bezüglich des grenzüberschreitenden Handelsvolumens werden beispielsweise unmittelbar registriert – und verändern Ihre Risikoeinstufung.

Auch neuartige Geschäftsmodelle können Ihr Profil beeinflussen, insbesondere dann, wenn sie wichtige Einflussfaktoren auf die Abgabenermittlung bzw. die Abgabenart beinhalten.

Beispiel: In Ihrer Zollwertanmeldung erklären Sie erstmalig, dass Sie von einem verbundenen Unternehmen Waren beziehen. Die Verbundenheit kann zu Preisbeeinflussungen führen und dadurch einen unmittelbaren Einfluss auf die Abgabenhöhe haben. Die Gefahr einer Betriebsprüfung steigt.

Festsetzungszeitraum

Der Zoll ist eine Einnahmeverwaltung. Eine der Hauptaufgaben ist die Abgabenerhebung. Auch Einfuhrabgaben dürfen natürlich nur erhoben werden, wenn die Festsetzungsfrist dafür noch nicht abgelaufen ist. Diese beträgt in diesem Zusammenhang 3 Jahre (bei Steuerhinterziehung 10 Jahre). Ist Ihre letzte Zollprüfung also mehr als 3 Jahre her oder nähern Sie sich der 3-Jahres-Marke, sollten Sie sich auf eine erneute Prüfung einstellen.

Anträge

Haben Sie Vereinfachungen oder Zertifizierungen beantragt, haben Sie den Zoll quasi eingeladen. Eine Prüfung ist dann eigentlich obligatorisch – wenn nicht sofort, dann zumindest in absehbarer Zeit (abhängig von der Art der beantragten Zertifizierung oder Vereinfachung bzw. der Auslastung des Prüfungsdienstes).

Stellen Sie entsprechende Anträge also erst dann, wenn Sie sicher sind, dass Sie „den Laden“ insgesamt im Griff haben. Der Prüfer wird sich nämlich regelmäßig nicht auf die Prüfung der beantragten Verfahren beschränken, sondern auch über den Tellerrand schauen. Hier sollte er besser keine Unregelmäßigkeiten feststellen.

Unregelmäßigkeiten

Fallen Sie bei einer Zollstelle negativ auf, werden die Berichtswege oft plötzlich ganz kurz. Sie müssen davon ausgehen, dass das zuständige Fachsachgebiet von den Unregelmäßigkeiten erfährt. Je nach Schwere des Fehlers müssen Sie dann kurzfristig mit einer Prüfungsanordnung rechnen – insbesondere dann, wenn sich Fehler häufen.

Externe Einflüsse

Seien Sie hellhörig, wenn es um Prüfungen oder gar Probleme bei Kunden, Lieferanten oder Dienstleistern geht. Regelmäßig greifen diese Angelegenheiten nämlich über. Das vor allem dann, wenn Sie zollrechtlich besonders „verflochten“ sind. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Sie „Anschlusszollverfahren“ in Anspruch nehmen, gemeinsam ein Lager unterhalten oder etwa Funktionen teilen bzw. auslagern.

Fest mit einer Prüfung sollten Sie deshalb rechnen, wenn bei einem Dienstleister (z. B. Zollagenten) Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden. In diesem Fall sollten Sie die Auswirkungen auf Ihr Unternehmen unverzüglich prüfen und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten.

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